Zusammenfassung und Fazit

Zusammenfassung

Viele natürliche und künstliche Systeme sind komplexe Systeme, weil sie emergentes Verhalten aufweisen, dass durch die Interaktionen der einzelnen Agenten erzeugt wird. Diese Agenten passen sich an Änderungen des Systems an. Daher sind komplexe Systeme schwer vorherzusagen und auch schwer zu kontrollieren. Die Agenten entwickeln „bottom-up“ ein Verhalten. Traditionell versucht man aber ein System „top-down“ von außen zu steuern. Hier müssen beide Richtungen in Einklang gebracht werden und zueinander passen.

Die Wirtschaft und auch die menschliche Gesellschaft ist ein Beispiel für ein komplexes System. Die traditionelle Politik versucht, die Wirtschaft in die richtigen Bahnen zu bringen. Hier gibt es zwei gegensätzliche Richtungen: mehr „top-down“-Kontrolle durch den Staat vs. mehr „bottom-up“ Prozesse durch den Markt. Hier wurden die Erkenntnisse der komplexen Systeme noch nicht auf die Politik und die Wirtschaft übertragen. Märkte sind ein „basisdemokratischer“ Algorithmus, mit denen man die Verteilung von knappen Ressourcen mit unterschiedlichen Verwendungszwecken organisieren kann. Alternativen, wie z. B. die Planwirtschaft, sind diktatorisch. Märkte reflektieren die menschlichen Präferenzen.

Daten enthalten Informationen und diese werden benötigt, um die Unsicherheit über ein System zu reduzieren. In der Regel gilt, je mehr Informationen man hat, desto bessere Entscheidungen kann man fällen. Daher sind Daten lebenswichtig für eine funktionierende Gesellschaft. Data Science, Big Data und die Künstliche Intelligenz selber sind nicht gefährlich und die Intelligenz steckt in den Menschen, die diese Systeme nutzen oder erstellen.

Die technologische Entwicklung wird immer schneller werden, weil die Produktivität der Menschheit steigt. Die „kollektive Intelligenz“ wächst aufgrund der Digitalisierung, der Vernetzung und der kombinatorischen Innovationen. Durch diese Entwicklung wird sich die Wirtschaft in den kommenden Jahren stark ändern. Große Unternehmen haben oft Schwierigkeiten, auf Änderungen schnell zu reagieren. Daher ist es wichtig, dass Startups möglichst einfach gegründet werden können und die Innovationen in das Wirtschaftssystem „hineintragen“.

Hier sollte die Politik auf keinen Fall versuchen, die technische Entwicklung zu stoppen, sondern den richtigen Rahmen herstellen, damit die Änderungen möglichst optimal für alle Menschen stattfinden.

Folgerungen

Die Welt steht vor starken Änderungen. Die Menschen müssen jetzt lernen, sich an die neue Situation anzupassen. Hierzu werden die folgenden Tipps empfohlen:

  1. „Reset“ und völlige Neubewertung
  2. Zukunft positiv sehen: Optimismus statt Angst und Panik
  3. Änderungen positiv sehen, begrüßen und mitgestalten
  4. Komplexität berücksichtigen
  5. Fortschritt ist fragil
  6. Innovation statt „politischer Debatte“

Reset und Neubewertung

Die Welt ist ein komplexes System und hat sich stark geändert. Zum Beispiel gelten in der digitalen Wirtschaft andere Regeln als in der physikalischen. Es sind neue „Geschäftsmuster“ entstanden. Die dem Menschen bekannten Heuristiken und „Pi mal Daumen“-Regeln gelten nicht mehr. Man sollte daher das bisherige Wissen in Frage stellen und alles noch einmal aus der Sicht der komplexen Systeme, der Spieltheorie, der Netzwerktheorie und der Verhaltensökonomie sehen. So ein „Reset“ ist aber – im Gegensatz bei einem technischen System – bei Menschen ein Prozess. Es kann etwas länger dauern, bis man die Welt wirklich aus einer anderen Perspektive sieht. Auch kann man als Mensch diese Änderungen nicht in einem Schritt machen, sondern muss sie in sehr vielen kleinen Schritten machen. Aber wenn man 360 Tage lang die Perspektive um 0,5 Grad dreht, guckt man nach einem Jahr in die andere Richtung.

Die Zukunft positiv sehen

Wer die Schlagzeilen in den Medien und die Buchtitel in den Buchhandlungen in den letzten Jahren gelesen hat, der müsste eigentlich eine ganz schöne Angst haben. Denn es drohen Hungersnöte, Seuchen und Epidemien, Rinderwahnsinn, Umweltprobleme, Grenzen des Wachstums, intelligente Killer-Roboter, Überwachungsalgorithmen und noch vieles mehr. Sind diese Warnungen realistisch oder lassen sich die Medien so nur besser verkaufen nach dem Motto „Good news is no news“?

Laut Peter Thiel sind die Menschen in Europa bezüglich der Zukunft pessimistisch, sie wissen nur noch nicht genau, welches Übel als erstes eintreten wird [TM14]. Die deutsche „Angst“, die sogar im Ausland berühmt ist, lässt sich gut an der deutschen Übersetzung des Buchs „Big Data at Work“ von Thomas H. Davenport erkennen [Dav14]. Im englischen Original heißt der Untertitel „Dispelling the Myths, Uncovering the Opportunities“. Das heißt so viel wie „den Mythos lüften, die Möglichkeiten aufdecken“. Bei der deutschen Version heißt es hingegen „Chancen erkennen, Risiken verstehen“. Hier wurde also der sagenumwobene und abenteuerliche Mythos zur neutralen Chance, und die Möglichkeiten zu Risiken“. Aus einer positiven abenteuerlichen Zukunft wird eine ängstliche vorsichtige Zukunft.

Wer aber immer Schlechtes erwartet und die Zukunft nicht aktiv mitgestaltet, der bekommt auch eine schlechte Zukunft. Man verbaut sich die Zukunft so durch sich selbsterfüllende Prophezeiungen. Matt Ridley argumentiert in seinem Buch „The Rational Optimist“ dafür, dass es rational ist, optimistisch zu sein, wenn man die menschliche Geschichte betrachtet. Denn Pessimisten hat es immer gegeben und bisher hatten sie meistens unrecht [Rid10].

Änderungen positiv sehen

Die meisten technologischen Erfindungen hatten für die Menschheit positive Folgen. Der Lebensstandard ist global gesehen so hoch wie noch nie zuvor [Rid10, BA14]. Wenn neue technische Änderungen am Horizont erscheinen, dann sollte man diese begrüßen, sich dafür interessieren und sich fragen, wie man diese einsetzen könnte und wie man diese noch besser machen könnte.

Wenn heute in Deutschland viele Kritiker über Google und Facebook schimpfen, trifft das doch gar nicht den Kern des Problems. Google wird so stark benutzt, weil es die beste Suchmaschine anbietet. Das Problem ist doch eigentlich, dass es keine guten Alternativen gibt, weil die anderen Unternehmen schlechtere Produkte entwickelt haben. Erinnert sich jemand an die mit viel Steuergeldern finanzierte europäische Suchmaschinen „Quaero“ und „Theseus“? Da sollte in den Jahren 2006 und 2007 mit EU- und Steuergeldern durch französische und deutsche Universitäten und Forschungseinrichtungen eine Suchmaschine erstellt werden, eine „europäische Suchmaschine“. Das war schon viel zu spät, denn Google war seit 1998 da und man kann als „late mover“ in einem Markt nur noch Erfolg haben, wenn man ein wesentlich besseres Produkt hat. Und warum war man zu spät? Weil man in den USA im Silicon Valley Änderungen begrüßt, positiv sieht und sich die Leute gleich fragen, was man da alles mit machen könnte und dann Firmen gründen, neue Möglichkeiten ausprobieren, viele Misserfolge haben, aber auch ein paar Erfolge dabei sind.

Außerdem kann man mit staatlicher Bürokratie, einer hierarchischen Forschungslandschaft, 40h-Woche und Beamten mit späterer garantierter Pension kein gewinnorientiertes Unternehmen einholen und erst recht keine Aktiengesellschaft bei der hohe Gewinne locken. Oft wird als Vorteil solcher Projekte genannt, das im Rahmen solcher Projekte die Professoren und Forschungseinrichtungen gute wissenschaftliche Artikel veröffentlichen konnten. Aber diese Befürworter vergessen, dass das Ganze mehr als die Summe seiner Teile ist. Diese wissenschaftlichen Artikel sind nur sehr kleine Teilchen in einem großen Ganzen. Und solange in solchen Projekten keiner daran arbeitet, das Ganze zu konstruieren und zu betreiben, werden mit solchen Projekten zwar wissenschaftliche Einzelkarrieren gefördert, eine wirtschaftliche Relevanz für die Gesellschaft ergibt sich daraus aber nicht.

Komplexität berücksichtigen

In der Wirtschaftspolitik gibt es traditionell zwei Richtungen „mehr Staat“ vs. „mehr Markt“. Mit der „komplexen Politik“ kann man diese bisher gegensätzlichen Richtungen miteinander kombinieren, wie es in Abschnitt 11.5 angesprochen wurde.

Natürlich sollten die komplexen Systeme und die agentenbasierte Modellierung auch in den Wissenschaften stärker eingesetzt werden, wie es z. B. in Abschnitt 2.4 erklärt wurde. Aber aufgrund des „Twin Peaks“-Problems, wird es eine Weile dauern, bis sich die neuen Methoden wirklich durchgesetzt haben.

Das beste Mittel, um die Eigenschaften von komplexen Systeme zu erforschen und sie einer breiten Masse von Menschen beizubringen, sind Computerspiele und -simulationen. Heutzutage sind die Simulationen sehr oft „top-down“ und der Spieler kann in einer gottähnlichen Position z. B. Städte oder Staaten aufbauen. Eine ABM-Simulation kann sehr rechenintensiv werden, je mehr Agenten es gibt und je „komplexer“ das Modell wird. Daher hat man in der Vergangenheit hier starke Vereinfachungen gemacht. Die Grenzen von Computerspielen und Simulationen sind allerdings fließend [BP12]. Es werden „Simulationen“ von komplexen Systemen benötigt, die auch Spaß machen und daher auch „Spiele“ sind. Die Menschen könnten damit idealerweise die Eigenschaften von komplexen Systemen spielerisch herausfinden.

Eine wichtige Rolle werden die komplexen Systeme und die ABM bei der Klärung der Frage spielen, wie eine bessere Gesellschaft aussehen könnte. Jeder kennt Sprüche, wie „eine bessere Welt ist möglich“ oder „Anarchie ist machbar, Herr Nachbar“. Aber bisher waren die verschiedenen Utopien, wie z. B. Sozialismus, Kommunismus oder Anarchismus immer darauf beschränkt „utopisch“ zu sein, sich auf theoretische Texte zu beziehen oder die „Machbarkeit im Kleinen“ zu beweisen, in dem man einen Fahrradladen oder Bauernhof „alternativ“ organisiert hat. Die Machbarkeit im „Kleinen“ ist bei komplexen Systemen aber kein „Beweis“ für die Durchführbarkeit im „Großen“. Mit ABM kann man alternative Wirtschaftssysteme oder Gesellschaften „ausprobieren“. Man würde mit „konstruktiven Gesellschaftsdesign“ die verschiedenen Möglichkeiten „simulieren“. Denn eines sollte nach der Lektüre dieses Buchs klar sein: wenn es je eine Art „Sozialismus“ geben sollte, dann nicht auf dem Weg der Verstaatlichung der Produktionsmittel und der Zentralisierung der Wirtschaft. Der „Sozialismus“ müsste er auf jeden Fall ganz anders aussehen als die bisher geplanten und durchgeführten Versuche, wie in Kapitel 5 und 11 besprochen. Und hier muss man daran erinnern, dass weite Teile der Gesellschaft heute noch an die Durchführbarkeit eines „demokratischen Sozialismus“ glauben [SPD07].

Fortschritt ist fragil

Die drei Säulen des Fortschritts sind die Digitalisierung und Vernetzung, das exponentielle Wachstum und die kombinatorischen Innovationen (Abschnitt 9.1). Während die ersten beiden eher technischer Natur sind und von einer falschen Politik zumindest in der EU heute nicht stark bedroht werden, sind die kombinatorischen Innovation fragil, d.h. zerbrechlich. Die kombinatorischen Innovationen entstehen durch „Trial and Error“, durch Versuch und Irrtum und benötigen einen marktwirtschaftlichen Rahmen mit freien Märkten, Rechtssicherheit und Entrepreneurship. Es ist daher nicht verwunderlich, dass viele Startups aus Ländern mit großer wirtschaftlicher Freiheit stammen. Denn durch falsche politische Regulierungen kann die Fähigkeit zur Innovation stark eingeschränkt werden.

In komplexen Systemen haben Aktionen immer auch Nebenwirkungen, wie in Abschnitt 2.6 erklärt. Oftmals sind sich Politiker bei einer Regulierung aber nicht über die Nebenwirkungen im Klaren. Als Beispiel kann die geplante Regulierung der Scheinselbständigkeit in Deutschland dienen. In Deutschland zahlen Unternehmen für ihre Angestellte Beiträge in die Sozialversicherungen ein, wie z. B. der Rentenversicherung. Hier ist es vorgekommen, dass Unternehmen diese Beiträge „einsparen“ wollten und aus Angestellten einfach Selbständige gemacht haben, zumindest auf dem Papier. Es wurden „Scheinselbständige“, die noch die gleichen Arbeiten gemacht haben. Diese „Scheinselbständigkeit“ möchte die Politik in Deutschland verbieten, daher arbeitet das Ministerium für Arbeit und Soziales an einem „Gesetz zur Verhinderung des Missbrauchs von Werkverträgen“. Der im Jahr 2015 vorgelegte Gesetzentwurf macht allerdings auch freiberufliche IT-Mitarbeit unmöglich oder zumindest sehr „anfechtbar“.

Die heutige Welt ist sehr arbeitsteilig und wissensintensiv. Der Spezialisierungsgrad ist sehr hoch. Daher können Unternehmen nicht für alle Zwecke Angestellte einstellen. Einen Datenbankfachmann benötigt man nur, wenn man das System gerade umstellt oder erweitert. Daher gibt es viele freiberufliche und selbständige Berater in wissensintensiven Gebieten. Jetzt sehen auf dem Papier viele IT-Fachleute aber von außen so aus wie die Scheinselbständigen, denn sie arbeiten beim Kunden vor Ort, benutzen deren Rechner, kommunizieren viel mit den anderen Angestellten und ein Projekt kann auch schon mal ein, zwei Jahre dauern. Hier ist es in der Vergangenheit vorgekommen, dass ein Finanzamt dann den Selbständigen und das Unternehmen rechtlich „zwingen“ will, ein Angestelltenverhältnis einzugehen. Hier gibt es in Deutschland momentan keine Rechtssicherheit[^39].

Ohne solche flexiblen Arbeitsverhältnisse verliert die Wirtschaft aber ihre Fähigkeit zur Innovation. Denn Innovationen kommen in der Regel von außen in ein Unternehmen, es kann ja nicht alles selber erfinden. Wenn ein innovatives Projekt nicht in Deutschland oder in der EU durchgeführt werden kann, dann macht man das eben in Kalifornien, Texas oder Israel. Und die großen Unternehmen der deutschen Wirtschaft haben sich auf dieses Szenario anscheinend auch schon gut vorbereitet, denn sie haben seit Jahren vermehrt im Ausland investiert und wenig in Deutschland. „Viele deutsche Industrieunternehmen bräuchten inzwischen nicht viel mehr tun, als quasi die Regler hier herunter- und sie an anderen Orten der Welt hochzufahren.“ schreibt der Journalist Olaf Gersemann [Ger14].

Es gibt natürlich noch weitere Gefahren, die das „zarte Pflänzchen“ Fortschritt bedrohen. Die Wirtschaft wird in den nächsten Jahren genügend damit zu tun haben, neue technische Entwicklungen zu integrieren, wie z. B. das Internet der Dinge, und sich an die in Abschnitt 10.2 beschrieben Änderungen durch die Globalisierung, die Urbanisierung und die demographischen Veränderungen anzupassen. Die heutige Politik aber hat teilweise noch ein Weltbild aus den 70er-Jahren. Mit einem falschen Weltbild kann man keine richtigen Regulierungen entwerfen. Jede Regulierung macht ein komplexes System noch komplexer. Ein komplexes System kann man nicht zu einem einfachen oder einem komplizierten System regulieren. Regulierungen sind in der Regel für kleine und mittlere Unternehmen schwieriger umzusetzen als für größere. Denn große Unternehmen haben große Rechtsabteilungen. Google z. B. ist auf juristische Auseinandersetzungen vorbereitet [SC13].

Wichtig: Wenn ein Unternehmen in einem Land aus datenschutzrechtlichen Gründen keine Daten sammeln darf, ein Unternehmen in einem anderen Land aber schon, hat das letztere Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil, weil es seine Kunden, Märkte, usw. sehr viel genauer kennenlernen kann.

Aber es sind nicht nur die einzelnen Unternehmen die leiden, sondern das gesamte Wirtschaftssystem gerät in Gefahr. Und das Gefährliche ist, dass man das an den bisher benutzten Metriken nicht sehen kann, wie z. B. beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) wie in Abschnitt 9.9 beschrieben. Im Oktober 2015 schrieben Bhaskar Chakravorti and Ravi Shankar Chaturvedi in der Harvard Business Review über die „Krise in Europa“ [CC15]. Allerdings war damit weder die Staats- und Finanzkrise in Griechenland noch die Flüchtlingsproblematik des Sommers 2015 gemeint. Europa ist in einer „digitalen Rezession“. Die beiden Wirtschaftswissenschaftler haben 50 Länder untersucht und einen „Digital Evolution Index“ zum Vergleich erstellt. Von den 23 teilnehmenden europäischen Ländern haben nur die Schweiz, Irland und Estland gut abgeschnitten. Andere gut abschneidende Länder sind z. B. die USA, Singapur, Korea und Israel. In diesen Ländern können Internet-Startups gedeihen und global wettbewerbsfähige Unternehmen entstehen. Die meisten europäischen Länder sind in ihrer Entwicklung jedoch „digital zurück“. Man hat den Anschluss verloren. Dieses äußert sich laut den beiden Autoren auch darin, insbesondere amerikanische Unternehmen regulieren zu wollen, wie es deutsche „Intellektuelle“ in „politischen Debatten“ ja auch fordern [Sch15].

Wichtig: Die meisten europäischen Länder haben Aufholbedarf bei der Digitalisierung, auch Deutschland.

Innovation statt „politischer Debatte“

Die heutige Politik scheint größtenteils darin zu bestehen, bestimmte Teile der Gesellschaft zu „konservieren“ und gegen Änderungen zu schützen: die Konservativen wollen moralische Werte und Institutionen „konservieren“, die Grünen die Natur, die Sozialdemokraten die Arbeitsplätze und die Großindustrie, die Linken den bürokratischen Staat und die Liberalen die Privilegien von bestimmten Unternehmen oder Industrien. Alles soll so bleiben wie es ist. Die wenigen politisch gewollten Änderungen, wie z. B. die Ökoenergie, der Euro, die Bildung oder die Einwanderung haben ihre Ursachen im Lobbyismus und werden von Wirtschaftswissenschaftlern auch sehr kritisch diskutiert.

Wichtig: In der Politik setzt sich am Ende nicht die beste Lösung durch, sondern die Interessensgruppe, die am meisten „Stimmen“ hinter sich bringen konnte.

Eine „politische Entscheidung“ ist daher oft nicht die beste. Und eine „politische Debatte“ von sog. „Intellektuellen“ bringen auch eher mehr Verwirrung als Klarheit, weil in der Politik nicht wissenschaftlich, sondern emotional und vereinfachend argumentiert wird. Informatikern sagte man früher nach, sie würden nur in Nullen und Einsen denken und nur zwei Kategorien kennen. Das trifft aber eher auf die Politik zu, wo man Meinungen in „Links“ und „Rechts“ einteilt. Statt Lösungen für die anstehenden Probleme zu finden, „bekämpft“ man die andere Gruppe mit Parolen und Losungen. Das Wort „Kampf“ klingt hier sehr übertrieben und unwissenschaftlich, aber das ist genau das Wort, das Martin Schulz (SPD) in seinem Artikel „Warum wir jetzt kämpfen müssen“ verwendet hat [Sch15].

Dabei hätte die Politik weitaus wichtigere Dinge zu tun. Denn die großen technologischen und sozialen Änderungen sind zu einem sehr großen Teil noch nicht im Staatsapparat und den Behörden angekommen. Es gibt inzwischen in Deutschland sicherlich schon erste Änderungen durch die Digitalisierung, wie z. B. die Abgabe von Steuererklärungen über das Internet, aber die Unternehmen sind hier schon sehr viel weiter. Statt „politische Debatten“ zu führen, sollten sich die Politiker überlegen, wie die Bürokratien der Staaten möglichst viele Vorteile aus der Digitalisierung schöpfen können. Damit könnte man die Staatshaushalte entlasten, die Steuern senken und eine bessere Versorgung erreichen.

Wie in diesem Buch erklärt wird, ist die größte wirtschaftliche Gefahr durch die technologische Entwicklung die Massenarbeitslosigkeit. Aber in einer solchen Situation ist eine Regulierung oder ein Verbot von Technik nicht hilfreich, weil die lokalen Unternehmen dadurch im Wettbewerb der „roten Ozeane“ schlechter dastehen. Die beste Lösung wäre, die Produktivität der arbeitslosen Menschen zu erhöhen, indem man ihre Arbeit mit Hilfe von Computern und Robotern unterstützt bzw. „augmentiert“.

Hierzu braucht man aber Menschen, die sich für neue Dinge interessieren, die optimistisch in die Zukunft schauen, neugierig sind, neue Sachen ausprobieren, sich überlegen wie man sie besser machen kann und dann evtl. ein Unternehmen gründen. Das kann auch ein „for-benefit“ Unternehmen sein.

Die Lösung der heutigen Probleme heißt nicht weniger Technik, Internet und Digitalisierung, sondern mehr davon. Die Welt wird sich auf jeden Fall ändern und je eher man da mitspielt, desto mehr kann man selber mitgestalten.

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