Einführung

Das Buch im Überblick

Die Menschheit ist in der Informations- und Wissensgesellschaft angekommen. In den letzten zwanzig Jahren wurden Bücher, Musik, Filme und Fotos digitalisiert. Selbst die sozialen Kontakte verwalten die Menschen heute mit „Apps“ und Internet-Plattformen. Durch diese großen Veränderungen gibt es auch viele Menschen, die Ängste vor weiteren Änderungen haben. Sie fragen sich, was da noch alles auf sie zukommen könnte, was aus den Arbeitsplätzen wird oder ob ein diktatorischer Überwachungsstaat entsteht. Manche fürchten sogar um das Ende der ganzen Menschheit, wenn künstliche Intelligenzen die Erde übernehmen.

Schon in den 80er-Jahren gab es Bücher mit Titeln wie „Das Datennetz: Computer bedrohen die Freiheit“ [BK83]. Es gab auch schon Ängste vor Arbeitsplatzverlust durch Computer und Roboter. Kaum wurden die Computer und das Internet von den Ängstlichen als nicht so gefährlich akzeptiert, tauchen schon neue Ängste auf: Big Data, Data Science, selbstfahrende Autos und Künstliche Intelligenz.

Ist die Situation wirklich so gefährlich?

Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, ist Wissen aus sehr vielen unterschiedlichen Bereichen notwendig. Das heutige Bildungssystem ist leider sehr theoretisch und trennt Informatik, Wirtschaftswissenschaften, Physik, Geschichte, Psychologie und die Soziologie voneinander. Für die Beantwortung der obigen Frage wird aber ein bisschen von allem benötigt. Man muss „ganzheitlich“ in Netzwerken und komplexen System denken. Auch muss man den Elfenbeinturm der Wissenschaften verlassen und sich die Situation in den Unternehmen angucken. Außerdem ist es von Vorteil, auch einfache Grundkenntnisse von Daten und Informatik zu haben.

Das Buch enthält von allen diesen Themen genug, damit man die Situation nach dem Lesen wesentlich besser einschätzen kann. Es richtet sich an „Einsteiger“ ohne Vorkenntnisse. Die einzelnen Kapitel sind relativ unabhängig voneinander, so dass das Buch auch mit Gewinn weitergelesen werden kann, wenn man einzelne Abschnitte nur schnell „überfliegt“, weil einem das Thema z. B. zu theoretisch oder zu mathematisch ist.

Die wichtigste Grundlage dieses Buchs ist die Wissenschaft von den „komplexen Systemen“. Diese ist bisher noch nicht sehr bekannt, aber intuitiv sehr einfach zu lernen. Das Wort „komplex“ wird umgangssprachlich oft benutzt und bedeutet meistens „sehr schwierig“ oder „nicht einfach zu durchschauen“. In Kapitel 2 Systeme und Netzwerke werden die Grundlagen von einfachen, komplizierten und komplexen Systemen anhand von Beispielen erklärt. Mit Graphen und Netzwerken können diese Systeme visualisiert und analysiert und mit der agentenbasierten Modellierung (ABM) simuliert werden.

Die zweite Grundlage dieses Buchs ist die menschliche Intelligenz, die in Kapitel 3 Der Mensch behandelt wird. Menschen verfügen nach Erkenntnissen der Verhaltensökonomie und Psychologie nur über begrenzte Fähigkeiten. Diese können sie aber mit Hilfe der Spieltheorie gewinnbringend einsetzen.

Die dritte Grundlage bildet das Kapitel 4 Die Geschichte, in dem ein ganz kurzer und abstrakter Überblick auf die menschliche Geschichte gegeben wird. Es wird insbesondere die Rolle des Tausches, des Handels und der technologischen Entwicklung betont. Es wird erklärt, warum „Wissen“ heute wichtiger ist als „Kapital“.

Mit diesem Grundwissen gerüstet, kann in Kapitel 5 die Wirtschaft als komplexes System betrachtet werden. Die Wirtschaft ist ein Informationssystem und Preise sind die Überträger der Informationen. Es wird erklärt, warum die traditionellen Wirtschaftswissenschaften um die Erkenntnisse der komplexen Systeme erweitert werden sollten. Einfache Grundkenntnisse der Wirtschaft werden auch erklärt, z. B. wie Märkte funktionieren oder der Zusammenhang von Angebot, Nachfrage und Preis.

Die fünfte Grundlage dieses Buchs sind die Daten und werden in Kapitel 6 Der Rohstoff: Daten behandelt. Es werden die verschiedenen Arten von Daten anhand von Beispielen erklärt. Anschließend wird gezeigt, wo sie in Computersystemen und in der Industrie wichtig sind. Es werden verschiedene Datenbanken vorgestellt und wie Daten in Daten-Warenhäusern verarbeitet und mit Business Intelligence interpretiert werden.

Wie aus Daten nützliches Wissen wird, ist Thema des Kapitels 7 Data Science: Daten zu Wissen. Unter dem Namen Data Science versammeln sich eine Menge von Techniken, wie man Daten mit Hilfe von Computern analysieren und statistische Schlüsse aus diesen ziehen kann. Als Beispiel werden hier sog. Entscheidungsbäume eingeführt.

Einen Schritt weiter geht es in Kapitel 8 Künstliche Intelligenz. Hier wird erklärt, wie man Computern intelligentes Verhalten beibringen kann und ob Computer wirklich schon so intelligent sind wie Menschen. Dazu muss auch der Begriff „Intelligenz“ ein wenig kritisch betrachtet werden. Anhand von neuronalen Netzen wird die Technik hinter den selbstfahrenden Autos skizziert. Schließlich wird die Frage untersucht, ob Computer wirklich intelligenter als Menschen werden können.

In Kapitel 9 Die digitale Wirtschaft werden die Auswirkungen der vorher beschriebenen Technologien auf die Wirtschaft (und damit natürlich auch auf die Gesellschaft) untersucht. Die Digitalisierung, die Vernetzung und das exponentielle Wachstum haben zu einer digitalen Wirtschaft geführt, die sich stark von der traditionellen Wirtschaft unterscheidet. Innovationen sind inzwischen wichtiger als Wettbewerb. Statt Firmengröße und Marktbeherrschung sind Anpassungsfähigkeit und „Agilität“ gefragt. Die neu entstandenen Geschäftsmodelle und die sozialen Netzwerke werden erklärt.

In Kapitel 10 Die Zukunft wird ein Blick in die nähere Zukunft gewagt. Mit dem Internet der Dinge wird es einen weiteren Schritt der Digitalisierung geben. Die Technik des Internet der Dinge und einige neue Anwendungen werden erläutert. Die weit entfernte Zukunft wird mit der Singularität ebenfalls angesprochen.

Neue technische Erfindungen lösen oft wirtschaftliche Änderungen aus. Hier kommt es in der Regel zu Interessenskonflikten. Die etablierten Unternehmen wollen ihre Marktposition gegen die Neuankömmlinge schützen. Angestellte fürchten um ihre Arbeitsplätze. Die kleinen und neuen Unternehmen hingegen wollen freien und ungehinderten Zugang zum Markt. Dieses führt zu politischen Diskussionen bei denen die Menschen oft in zwei Lager geteilt sind: „für mehr Regierung“ gegen „für mehr Markt“. Diese Problematik wird in Kapitel 11 … und die Politik besprochen und ein Lösungsansatz vorgestellt, der die Erkenntnisse aus den komplexen Systemen berücksichtigt.

Schließlich werden in Kapitel 12 Zusammenfassung und Fazit die wichtigsten Erkenntnisse noch einmal zusammengefasst und ein Fazit gezogen.

Was nicht im Buch behandelt wird

Die technologische Entwicklung ist ein so weites Feld, dass man nicht gleichzeitig über alle Themen Bescheid wissen kann. Die Spezialisierung ist so weit fortgeschritten, dass man entweder in die Breite oder in die Tiefe gehen muss. Daher können in diesem Buch viele Technologien und Wissenschaften mit großem Potential nicht behandelt werden. Ganz nach dem Motto „Schuster, bleib bei Deinem Leisten“ konzentriert sich dieses Buch auf den Bereich Informationstechnik (IT).

Darum werden z. B. die folgenden Themen nicht behandelt: 3D-Druck, Quantencomputer, selbstfliegende Drohnen, intelligente Werkstoffe, Nanotechnologie, Genomik, Biowissenschaften und die Genetik. Es sind natürlich alles interessante Gebiete, in denen sehr viel Neues passieren wird. Dass sie nicht im Buch behandelt werden, soll nicht bedeuten, dass sie in der Zukunft nicht wichtig sind.

Die politische Seite

Die technologischen Änderungen haben zu großen wirtschaftlichen Veränderungen geführt. Hier gab es Gewinner, wie z. B. die großen neuen Internet-Unternehmen, und Verlierer, wie z. B. die traditionellen Medien-unternehmen. Daher hat technologischer Fortschritt auch immer eine politische Seite.

Als die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Jahr 2013 den Satz „Das Internet ist für uns alle Neuland“ sagte, erntete sie dafür Spott und Häme. Das fanden viele lustig, weil sie als Konsumenten das Internet schon seit über 15 Jahren kannten. Aber hatte Frau Merkel als Konsumentin oder als Politikerin gesprochen? Wenn Frau Merkel aus der Sicht einer Politikerin sprach, hat sie gemeint, dass sich die Politik noch nicht sicher ist, wie sie die neuen Technologien behandeln soll. Ist geplant, das Internet stärker zu regulieren? Anderseits entwickelt sich das Internet ja auch täglich weiter. Es entstehen jeden Tag neue Anwendungen. Wenn man will, kann man jeden Tag im Internet irgendwo „Neuland“ entdecken.

Im Jahr 2015 rief der Präsident des Europäischen Parlaments Martin Schulz (SPD) im Vorwort des Buchs „Technologischer Totalitarismus: Eine Debatte“ zu einer „politischen Debatte“ auf und erklärte „Warum wir jetzt kämpfen müssen“ [Sch15]. Alleine der Titel des Buchs lässt die Einseitigkeit dieser „Debatte“ schon erahnen. Das ist eine sehr gefährliche Entwicklung, denn Informatiker, Ingenieure und andere technisch Interessierte haben in der deutschen Öffentlichkeit fast keine Stimme und schon gar keine in der Politik. In weiten Teilen der Gesellschaft gelten Techniker als „Nerds“, die man auch ein wenig auslachen kann, wie z. B. die Physiker in der Fernsehserie „Big Bang Theorie“. In die Medien kommen sie vorzugsweise als Kritiker von US-amerikanischen Unternehmen oder der NSA, d.h. wenn man sie politisch ausnutzen kann. Gegen einen politisch geschulten aber technisch ungebildeten Journalisten kann ein Techniker im Fernsehen nicht andiskutieren. Das könnten eventuell Professoren, aber diese wiederum haben ganz andere wirtschaftlichen Interessen als Startup-Gründer und sehen die Gefahren von politischen Regulierungen nicht. Auch die Vertreter der großen Unternehmen haben ganz andere Interessen als der Mittelstand und die Startups.

Aber das größte Problem dieser „Debatte“ ist, dass viele Teilnehmer ein veraltetes Geschichts- und Menschenbild aus der Zeit von Karl Marx haben, neuere Entwicklungen der Wirtschaftswissenschaften nicht kennen, nichts über die Nützlichkeit von Data Science wissen und ihnen unternehmerische Kenntnisse völlig fehlen. Fehlendes Grundwissen führt zu einer falschen Bewertung der Situation. Eine falsche Analyse aber führt auch zu einer falschen Politik. Und eine falsche Wirtschaftspolitik im Bereich der Informationstechnik hätte verheerende Folgen, wie in diesem Buch erklärt wird.

Anmerkungen zum Buch

Wichtige Aussagen werden durch eine graue Box gekennzeichnet.

Wichtig: Bedeutende Aussagen, werden mit einer solchen Box hervorgehoben.

Einige Diagramme in diesem Buch verwenden Icons von OSA, siehe http://www.opensecurityarchitecture.org/cms/about/license-terms für die Lizenz. Die kommerzielle Verwendung der Icons ist nach dieser Lizenz gestattet, sofern die Quelle angegeben wird.

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